Wie Sie es schaffen, sich als Bewerber „ins Aus zu schießen“

Argumente und Don96;ts für VorstellungsgesprächeDon't-Argumente im Bewerbungsgespräch.

Im Vorstellungsgespräch werden immer wieder von Bewerbern Argumente genannt, die  dazu führen vorzeitig aus dem Bewerbungsverfahren aussortiert zu werden.
Lesen Sie anhand der folgenden Beispiele, welche Don’t-Argumente der Bewerber ins Feld führt.

Im anschließenden Kommentar finden Sie jeweils eine Kurzanalyse zu den Argumenten.

Personaler:
Weshalb möchten Sie ausgerechnet zu uns?

Bewerber:
Ich bekomme ein gutes Gehalt und die Fortbildungsmöglichkeiten sind auch interessant. Außerdem liegt Ihr Unternehmen ganz in der Nähe zu meinem Wohnort und meine Freundin wohnt auch hier. Ich muß also nicht extra umziehen.

Kommentar:
Der Kandidat nennt nur eigenmotivierte Gründe und scheint an dem Unternehmen selbst nicht interessiert zu sein. Er nennt keinerlei Motivationsgründe, die mit dem Unternehmen direkt zu tun haben. Bei vielen Unternehmen entsteht dadurch der Eindruck austauschbar zu sein.



Personaler:
Weshalb haben Sie genau diesen Beruf ergriffen und was motiviert Sie daran am meisten?

Bewerber:
Es ist in erster Linie ein sicherer Arbeitsplatz, weil ich eine unbefristete Stelle bekommen kann.
Und ich wolle schon immer mal was mit Menschen machen.

Kommentar:
Wieder stellt der Personaler eine Motivationsfrage. Wofür brennt der Kandidat, was treibt ihn an? Das Unternehmen möchte wissen, ob sie einen eigenverantwortlichen und selbstständig denkenden Menschen vor sich hat, der von sich aus die Initiative ergreift oder eher angetrieben werden muß. In diesem Fall wirkt die Antwort des Kandidaten eher desorientiert und wenig engagiert.



Personaler:
Weshalb sollten wir Ihnen ein Jahresgehalt von XX 000 zahlen?

Bewerber:
Ich denke es ist üblich, wenn man den Arbeitsplatz wechselt 10 - 15 % mehr Gehalt zu bekommen. Außerdem werde ich ja umziehen müssen und die Kosten in der Großstadt sind wesentlich höher als auf dem Land.  

Kommentar:
Der Bewerber hat es verpasst, sein gefordertes Jahresgehalt argumentativ an seine Fähigkeiten und Potenziale zu koppeln und mit den Herausforderungen des Unternehmens zu verbinden.
Was hat er für Kompetenzen, Erfahrungen und besondere Fähigkeiten, die er in das Unternehmen einbringen kann? Er sollte also klare Argumente nennen, die seine Forderungen legitimieren.
Siehe auch Tipps Gehaltsverhandlung.



Personaler:
Wo sehen Sie sich bei uns in den nächsten 5 Jahren?

Bewerber:
Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich kenne Ihr Unternehmen ja noch gar nicht.

Kommentar:
Der Personalverantwortliche stellt Fragen nach den mittelfristigen Zielen und möchte wissen, ob der Gesprächspartner einen konkreten Plan für seine Zukunft mit dem Unternehmen hat.
Die Antwort ist mehr als spärlich. Der Bewerber hätte sich im Vorfeld mehr über das Unternehmen informieren können, um eine Vorstellung davon zu haben, wie er sich (als auch Inhalte) im Unternehmen einbringen und weiterentwickeln könnte.
Hier entsteht eher der Eindruck, das es sich nicht lohnt in den Kandidaten zu investieren.



Personaler:
Weshalb sollten wir ausgerechnet Sie einstellen?

Bewerber:
Wie gesagt, ich habe ein abgeschlossenes Hochschulstudium, bin flexibel, kreativ und teamorientiert.

Kommentar:
Schlagworte zu nennen, ohne sie mit Beispielen zu belegen, wirken unglaubwürdig und sind nicht nachprüfbar.
Der Bewerber sollte deutlich machen, welche Alleinstellungsmerkmale ihn ausmachen und was konkret das Unternehmen für einen Nutzen daraus ziehen kann. Besitzt die Person ein besonderes Fachwissen, bringt sie ein aussergewöhnliches Netzwerk mit, spricht sie eine Sprache, die für das Unternehmen wichtig ist , kombiniert sie interessante Schwerpunkte miteinander oder kann sie bereits (kleine) Erfolge aus anderen Unternehmen vorweisen?
Solche Besonderheiten gilt es deutlich zu machen.



Personaler:
Erzählen Sie uns doch mal kurz Ihren Werdegang?

Bewerber
Ich bin in Heidenheim geboren und dort zur Schule gegangen, nach der 7. Klasse sind wir umgezogen und ich habe eine neue Schule besucht, dort habe ich dann zunächst die Klasse wiederholt…

Kommentar:
Der Bewerber zählt detailgetreu auf, wie seine Schul- und Berufslaufbahn verlaufen. Das ermüdet viele Gesprächspartner, zumal sie nicht mehr mehr wirklich zuhören, wenn dann am Ende der Ausführungen wichtige Stationen im Leben erwähnt werden.
Alternativ kann er mit dem Aktuellsten beginnen und dann einen Rückblick zu weiteren Berufserfahrungen, Studium, Ausbildung und Schulbildung geben. Dabei ist es wichtig sich auf die Stationen im Berufsleben zu konzentrieren, die am meisten Bezug zu der ausgeschriebenen Stelle haben und mit entsprechenden Berufserfahrungen zu punkten.



Personaler:
Weshalb möchten Sie Ihren Arbeitsplatz wechseln?

Bewerber:
Mein jetziger Vorgesetzter unterschätzt mich völlig. Er ignoriert mich einfach und egal was ich mache, er nimmt es einfach nicht zur Kenntnis.

Kommentar:
Der Bewerber ist nicht wirklich loyal gegenüber seinem jetzigen Arbeitgeber. Potenzielle Arbeitgeber irritiert das, weil sie nicht sicher ein können, ob der Kandidat zukünftig auch Negatives über sie erzählen wird. Außerdem macht es den Eindruck, die Fehler bei andern zu suchen und sich selbst nicht in die Verantwortung zu nehmen.
Eine alternative Antwort wäre: Ich habe mich bei Ihnen beworben, weil ich hier die Chance sehe, mich als Fachspezialist in die Thematik X und Y tiefer einzuarbeiten und mittelfristig als kompetenter Ansprechpartner im Bereich X zur Verfügung zu stehen.