Richtig antworten auf Fragen nach Schwächen

Beispiele und Antworten auf Fragen nach Schwächen im Vorstellungsgespräch

Schwächen im Bewerbungsgespräch professionell beantworten

Wenn Personalverantwortliche ihre Bewerber nach Schwächen fragen, bekommen Sie sehr häufig unbefriedigende Antworten.

Im Folgenden möchten wir Ihnen die fünf typischen Antworten auf die Frage nach Schwächen vorstellen und deutlich machen, weshalb Sie so nicht antworten sollten.

Vermeintliche Schwächen

Personaler: „Wo können Sie sich persönlich noch weiterentwickeln?“

Bewerber: „Ich bin sehr ehrgeizig und will unbedingt mein Ziel erreichen.“

Ehrgeiz oder Zielstrebigkeit sind eher Stärken als Schwächen und werden in Vorstellungsgesprächen sehr häufig genannt. Für die Personalverantwortlichen ist das unbefriedigend, weil sie den Eindruck gewinnen, dass Sie sich nicht wirklich zeigen wollen und Ihre Schwächen verdecken. Einige reagieren darauf mit dem Hinweis, dass das keine Schwächen sind und Sie nun bitte schön auf die Frage antworten sollen.

Ähnliche Antworten gehen in die gleiche Richtung:

  • „Ich bin sehr genau“
  • „Ich bin überpünktlich“
  • „Ich arbeite zu viel“.

Behobene Schwächen

Personaler: „Bitte nennen Sie mir doch mal eine Schwäche von sich.“

Bewerber: „Früher hatte ich manchmal den Hang andere zu unterbrechen. Dann habe ich einen Rhetorikkurs besucht und es mir mit der Zeit abtrainiert. Inzwischen lasse ich meinen Gesprächspartner ausreden und höre ihm zu."

Schwächen, die Sie behoben haben, sind keine Schwächen mehr. Ihr Gegenüber ist eher daran interessiert, woran Sie im Moment persönlich arbeiten und wie Sie mit dieser Schwäche umgehen.

Beispiel: "Ich bin ein sehr direkter Mensch und muss aufpassen, dass ich meine Gesprächspartner nicht zu stark konfrontiere. Deshalb arbeite ich zur Zeit daran, meine Meinung so zu kommunizieren, dass sie diplomatisch, aber dennoch unmissverständlich rüberkommt. Besonders hilfreich ist dabei für mich von Kollegen immer wieder mal ein Feedback einzuholen."

Fachliche Schwächen

Personaler: „Wo können Sie sich persönlich noch weiterentwickeln?“

Bewerber: „Ich bräuchte mal wieder eine Auffrischung bei meinen Englischkenntnissen.“

Hier zeigt sich, dass der Bewerber nicht wirklich gut zugehört hat. Die Personalverantwortliche fragt nach persönlichen Schwächen und der Kandidat antwortet mit fachlichen Schwächen.

Sie dürfen fachliche Schwächen grundsätzlich nennen, aber nicht, wenn Sie speziell nach Ihren persönlichen Schwächen gefragt werden.
Es wäre etwas anderes, wenn Sie sagen würden, dass Sie sich Dinge schlecht einprägen können und insbesondere das Lernen von Sprachen für Sie besonders herausfordernd ist.

Scherz-Schwächen

Personaler: „Was würde Ihr Vorgesetzter mir über Sie erzählen, woran Sie noch arbeiten sollten?“

Bewerber: „Er würde sagen, dass ich nicht so viel Schokolade essen soll und mich beim Schuhe kaufen zurückhalten sollte."

Mit dieser Antwort können Sie Ihr Gegenüber wirklich ärgerlich machen. Es entsteht der Eindruck, als ob Sie Ihren zukünftigen Arbeitgeber an der Nase herumführen wollten.

Ähnliche Antworten, die in die gleiche Richtung gehen, sind zum Beispiel:

„Ich habe eine Schwäche für die Rolling Stones, den 1. FC Sankt Pauli, für gute Musik...“

Keine Schwächen

Personaler: „Welche persönliche Stärke sollte Ihr Stellvertreter mitbringen, die Sie selbst nicht so entwickelt haben?“

Bewerber: "Da fällt mir im Moment überhaupt nichts ein, ich glaube, dass ich alles ganz gut hinbekomme.“

Es ist relativ unrealistisch, dass Sie keine Schwächen haben und es zeigt gleichzeitig, dass Sie sich selbst anscheinend zu wenig reflektiert haben.
Viel interessanter wäre es gewesen deutlich zu machen, wo Sie bei sich Grenzen oder Herausforderungen sehen und welche Art der Unterstützung Sie sich wünschen.

Beispiel: "Mein Stellvertreter sollte mich ab und zu bremsen, wenn ich über das Ziel hinausschieße. Das heißt ganz konkret..."

Fazit: Schwächen nennen, aber mit Strategie

Haben Sie den Mut, Ihre Schwächen offen zu kommunizieren. Machen Sie sich allerdings klar, ob die Schwächen, die Sie nennen, für die Stelle besonders ausschlaggebend und relevant sind.

Wenn Sie sich zum Beispiel auf eine Stelle als Vertriebsmitarbeiter bewerben und angeben, dass Sie sehr zurückhaltend sind und auch Schwierigkeiten haben, auf Menschen direkt zuzugehen, dann ist das fast schon ein Ausschlusskriterium.

Wie können Sie Schwächen professionell beantworten?

Wenn Sie offen oder verdeckt nach Schwächen und Misserfolgen gefragt werden, ist es notwendig Ihrem Gegenüber zu erläutern, wie Sie mit den Schwächen und Herausforderungen umgehen. Folgende Vorgehensweise kann dabei sehr hilfreich sein:

Herausforderung
Beschreiben Sie zuerst, wie sich Ihre Schwäche äußert und in welchem Kontext sie sichtbar wird:

„In Besprechungen bin ich sehr zurückhaltend und ich merke, dass es mir schwer fällt, meine Meinung klar und deutlich zu vertreten.“

Handlung
Danach stellen Sie vor, welche Maßnahmen und Schritte Sie bereits in Gang gesetzt haben, um die Schwäche zu reduzieren und zu managen.

„Ich habe mir in letzter Zeit vorgenommen, dass ich mich in jeder Sitzung, wenn es passend ist, mindestens zweimal beteilige und einen Beitrag leisten will.

Ergebnis
Zeigen Sie auf, welche kleinen Erfolgserlebnisse Sie dadurch schon erreicht haben.

„Ich merke, dass es mir zunehmend leichter fällt, meine Meinung offen anzusprechen, wenn ich bereits schon einmal in der Runde etwas gesagt habe. Gleichzeitig habe ich festgestellt, dass ich dadurch interessante Impulse für die Diskussion liefern konnte."

Nutzen
Machen Sie am Schluss deutlich, welchen Gesamtnutzen es für alle hat, dass Sie an Ihrer Schwäche arbeiten.

„Anhand der Reaktionen meiner Kollegen merke ich, wie wichtig ihnen meine Meinung ist und sie jetzt öfter auf mich zukommen und meinen Expertenrat hören möchten.“